“Yoga für den Körper, Buddha für den Geist”

11.10.2012

imagesRezension zu Cyndi Lees „Yoga für den Körper, Buddha für den Geist“

In Ihrem Übungsbuch „Yoga für den Körper, Buddha für den Geist“ erklärt die weit über die eigenen Landesgrenzen hinaus bekannte US-amerikanische Yogalehrerin Cyndi Lee, wie es zu OM Yoga kam – der Verbindung von tibetischem Buddhismus und Yoga. Das Buch erschien bereits 1994 auf Englisch und ist jetzt auch endlich in deutscher Sprache erhältlich.

Das Buch spiegelt Cyndi Lees Reise wider, einen Yogastil zu finden, in dem ihr Bedürfnis nach Bewegung und das Konzept von Achtsamkeit zur Geltung kommt. Jedes Kapitel beginnt mit einer sehr persönlichen Geschichte aus ihrem Leben und beschreibt, wie diese Erfahrung in ihren Unterricht als Yogini und Praktizierende des tibetischen Buddhismus einfloss.

Lee bietet einfache Meditationsübungen und Yogasequenzen, die überall ausgeführt werden können. Für fortgeschrittene Yogis und Meditierende gibt es zusätzliche Übungen.

Fazit: Dieses Buch ist eine Offenbarung für alle, die sich einer Yogapraxis zuwenden möchten, die von den buddhistischen Lehren der Achtsamkeit durchdrungen ist, oder nach einem Weg suchen, die eigene Meditationspraxis mit präzisen Yogaausrichtungen anzureichen.

„Yoga für den Körper, Buddha für den Geist“

von Cyndi Lee

Ab dem 15.09.2012 erstmals in deutscher Sprache im Kamphausen Verlag erhältlich

Cyndi Lee_vishnuscouchInterview // Cyndi Lee
„Im Yoga geht es darum, die Hoffnung aufzugeben“

Cyndi Lees Buch „Yoga Body, Buddha Mind“ ist seit Kurzem auch auf Deutsch erhältlich. Im Interview spricht sie über den Entstehungsprozess von OM Yoga, die Einsamkeit des Schreibens und darüber, wie wir uns vor falschen Hoffnungen schützen können.
Von Diana Krebs
YOGA JOURNAL: Ihr Buch „Yoga Body, Buddha Mind“ ist nun endlich auch auf Deutsch erhältlich. Die erste Ausgabe erschien bereits 1994.  Hätten Sie damals gedacht, dass es zu einem Klassiker werden würde?
Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass das Buch ein Klassiker unter den Yogabüchern ist, von daher ist das ein sehr nettes Kompliment, vielen Dank. Für mich ist es einfach ein sehr persönliches Buch.Es ist der authentische Ausdruck meiner langen Studien des Buddhismus und des Yoga – und wie die beiden Lehren letztendlich zu OM Yoga wurden.
Aber wissen Sie, wenn Sie ein Buch schreiben, dann ist das eine sehr stille und intensive Erfahrung. Ich verbrachte viele Stunden alleine, musste tief graben und einen Weg finden, die spirituellen Übungen von Körper und Geist in Worte zu fassen, die mir wichtig waren. Ich wollte Menschen mit meinem Herzen und meinen eigenen Lebenserfahrungen berühren.Ich denke, dass ich eine ziemlich gewöhnliche Person bin und dass sich deswegen viele Menschen mit meiner Lebensgeschichte identifizieren können. Ich hatte gehofft, dass die Verbindungen zwischen meinen eigenen Kämpfen und den Antworten, die ich im Buddhismus gefunden hatte, hilfreich sein können.
Ich hoffte, dass die Wege, die ich gefunden hatte, um die buddhistischen Lehren der Achtsamkeit, des Mitgefühls, der Neugierde, der Freundlichkeit und des Mutes in Asanas und Yogasequenzen zu übersetzen, Yogis überall eine Quelle der Inspiration sein würden. Eines Tages war das Buch fertig und ging in den Druck.
Wenn man schreibt,  weiß man nie, ob das auch jemand lesen wird. Daher ist es sehr befriedigend, dass mein Buch auch nach Jahren noch gedruckt wird – und jetzt auch auf Deutsch erscheint. Ich freue mich wirklich sehr, dass meine Schüler aus Deutschland dieses Buch nun in ihrer Muttersprache lesen können, und ich liebe es, in Deutschland zu unterrichten.

YJ: Wie lange braucht es, um einen Yogastil wie OM Yoga „zu kreieren “? Wie läuft so ein Prozess ab? Haben Sie sich einfach hingesetzt und sich gesagt: Jetzt werde ich einen Yogastil entwickeln und ihn OM Yoga nennen? Oder war es eher ein nicht endender Prozess der Offenbarung, den Sie dann yogisch übersetzt haben?
OM Yoga entstand auf ganz natürliche Weise. Es war eine organische Evolution meiner eigenen Praxis von Yoga und Buddha-Dharma, verbunden mit meiner Liebe für Bewegung und meinem professionellen Hintergrund als Choreographin.
Es war keine bewusste Entscheidung, einen neuen Yogastil zu entwickeln. Aber während der Entwicklung meines Unterrichts wurde mir klar, dass ich nicht in die Yogastudios ins New York der 1990er passte. Diese orientierten sich entweder zu sehr am Hinduismus, der nicht wirklich im Einklang mit meiner Praxis stand. Oder es ging einfach nur um den Fitnessaspekt, der keinen Raum für die spirituellen Elemente der Achtsamkeit und des Mitgefühls bot, was mir ja wichtig war.
Die Klarheit der Achtsamkeit integrierte sich ganz natürlich in die Präzision  der anatomischen Ausrichtung im Yoga. Der fließende Aspekt von Vinyasa schien ganz natürlich die buddhistischen Lehren der Unbeständigkeit und wechselseitigen Abhängigkeit zu verkörpern.
Je mehr ich unterrichtete, desto stärker wurde mir dies klar. Schließlich war ich bereit, diese Verbindungen auszudrücken. Nach einigen Jahren war es mir möglich, OM Yoga als eine Kombination von Vinyasa, Ausrichtung und den buddhistischen Meditationsmethoden der Achtsamkeit und des Mitgefühls zu bezeichnen.

YJ: Geht es im Yoga um Hoffnung oder darum, Hoffnung aufzugeben und dadurch den wahren, inneren Frieden zu finden? Denn Hoffnung bindet uns Menschen immer an bestimmte Erwartungen oder an ein spezielles Ergebnis.

Vielleicht ist die Antwort auf diese Frage, dass es im Yoga sowohl um Hoffnung geht als auch darum, Hoffnung aufzugeben. Wenn die Hoffnung eine erhabene Qualität von Offenheit ist, ist daseine gute Sache. Oft ist Hoffnung jedoch eine Kombination aus Angst und Verlangen. Das lässt uns nur die Verbindung mit unserer jetzigen Situation verlieren. Yoga, verbunden mit Achtsamkeit und Bewusstsein, kann eine wirkungsvolle Praxis sein, um mit der Realität umzugehen. Wenn wir immer wieder an diesen Ort zurückkommen, dann lassen wir die Hoffnung und die Angst los und vertrauen dem natürlichen Entfaltungsprozess in unserem Leben.

von Diana Krebs

Mehr lesen Sie in der September/Oktober 2012-Ausgabe.