“Natürlich ist das Yoga”
20.12.2010
Feste Formen und Strukturen waren der Flow Yoga-Lehrerin Beate Cuson schon immer fremd. Die Freidenkerin sucht sich ihren eigenen Rhythmus und scheut sich nicht, (Yoga-)Grenzen zu überschreiten.
Interview: Diana Krebs
YJ: Immer wieder hört man von Schülern, Yoga hätte sie gefunden und nicht umgekehrt. Kannst du das auch für dich behaupten?
Beate Cuson: Ja, Yoga kam zu mir, als ich nicht danach gesucht habe. Während meiner Heilpraktiker-Ausbildung begegnete ich einem Gastlehrer, einem faszinierenden alten Mann von 80 Jahren, der mich nachhaltig beeindruckte. Er war Geschäftsmann, hatte mit 60 alles erreicht , verkaufte dann seine Firma und ging nach Indien. 20 Jahre später traf ich ihn als Guru wieder.
Welchen Bezug hattest Du damals zum Yoga?
Es gab keine Yoga-Form, die mich wirklich ansprach. Außer Sivananda Yoga kannte ich nur ein paar esoterische Zirkel, in denen ich mich überhaupt nicht wohl fühlte. Als Tänzerin weiß ich, wie ich meinen Körper bewegen muss. Während der Asana-Praxis dachte ich damals oft: Das würde ich so nie machen, das finde ich gefährlich – gerade für unerfahrene Yogis. Sivananda Yoga war mir zu dogmatisch, traditionell hinduistisch und einschränkend. Ich sehe mich selbst als Freigeist.
Als Dich Yoga gefunden hat, gab es einen bestimmten Auslöser, etwa eine Krise oder ein besonders freudiges Ereignis?
Das werde ich häufig gefragt. Aber ich hatte weder eine Krise noch war ich auf der Suche. Zuerst kam ich mit Iyengar Yoga in Berührung. Ich mochte die körperliche Herausforderung und die Genauigkeit. Es war intellektuelles Lernen und die Verkörperung dessen. Aber es war nicht das Richtige für mich. Erst als ich an einer Flow Yoga-Klasse teilnahm, war für mich klar: Das ist es.
Was ist das Besondere am Flow Yoga für dich?
Als Tänzerin und Capoeira-Meisterin hat mich der Flow schon immer begleitet. Im Flow Yoga entdeckte ich die Freude an der Bewegung, am Freigeistigen und Experimentieren. Für den Krieger I gibt es beispielsweise verschiedene Varianten. Früher habe ich mich gescheut, Asanas zu variieren. Kann das noch als klassisches und „wahres“ Yoga gelten, wenn ich mit den Asanas spielerisch umgehe? Dann habe ich die Flow Yoga-Begründerin Shiva Rea kennen gelernt und erlebt: Natürlich ist das noch Yoga.
Du lernst vermutlich täglich Schüler kennen, die das Gefühl haben, Yoga habe sie gefunden. Spielten dabei Umbruchphasen eine Rolle?
Ich glaube, in dieser Hinsicht hat sich etwas geändert. Früher habe ich oft gehört, Verletzungen, Krisen oder ein Todesfall seien die Auslöser dafür, sich auf die Suche zu machen. Das Ziel war damals, einen Meister oder Lehrer zu finden. Als ich vor zwölf Jahren mein Studio eröffnete, war Yoga beinahe noch verschrien. Wenn ich auf einer Party erzählte, ich sei Yoga-Lehrerin, reagierten die meisten naserümpfend mit einem „Aha, ja. Ok.“ Wenn ich dagegen Tänzerin als Beruf angab, war das aufregender. Mittlerweile ist Yoga unglaublich populär geworden. Wenn ich heute von meinem Job als Yoga-Lehrerin erzähle, höre ich oft: Das will ich auch werden. Yoga zu praktizieren, gehört fast schon zum guten Ton. Insofern glaube ich, dass heutzutage Sinnkrisen weniger ausschlaggebend für Yoga-Einsteiger sind. Häufig ist es auch der Ratschlag vom Arzt oder Physiotherapeuten, der Anfänger in ein Studio treibt.
Hast Du das Gefühl, Yoga könnte Dich irgendwann einmal verlassen?
Das weiß ich nicht, aber es ist möglich. Die Asanas sind mir beispielsweise nicht mehr so wichtig wie zu Beginn – wobei Yoga nicht nur körperliche Übungs-Praxis bedeutet. Vielmehr haben sich meine Interessen verschoben: In den ersten Jahren hat mich beispielsweise die Philosophie nicht so sehr gefesselt; die Asanas dagegen schon. Ich war schließlich Tänzerin und wollte mich bewegen. Das Interesse an der Philosophie hat sich erst mit den Jahren entwickelt. Hier kommt mein Freigeist wieder ins Spiel: Es gibt für mich nicht nur diesen einen Weg oder nur die Asanas. Die körperliche Komponente ist zwar mittlerweile ein wenig in den Hintergrund gerückt, dafür sind mir andere Yoga-Aspekte wichtiger geworden.
Beate Cuson ist Tänzerin, Capoeira-Meisterin und Besitzerin einer der ersten Berliner Yoga-Schulen. Die Leiterin des „Moveo Yoga Studio“ bietet vom 1. bis 10. März 2011 ein Flow Yoga Retreat in Goa/ Indien an. www.moveoberlin.de




