Berlin 100210
24.02.2010
Das war die letzte Puja dieser Reise. Und der zeremonielle Abschluss für Indien 2009. Ich habe viele Aufnahmen im Kasten und einige sehr eindrucksvolle Tonaufnahmen eingefangen. Der Abschied steht bevor. Meine erste Indienreise endet nun mit einem Besuch im Kali-Tempel in Kalkutta. Dort sind wir im Massenstrom der Besucher und werden durchgeschleust durch den Tempel. Die zentrale Kali Figur steht im Haupttempel und unzählige schreiende, schiebende und schubsende Inder laufen wie eine zähe Lavamasse durch den Gang des Tempels – jeder versucht einen Blick auf die heilige Figur zu werfen, ebenso wie Blüten. Stehen bleiben ist nicht drin, man wird sofort weiter gestoßen. Um mich herum ohrenbetäubendes Geschrei und ich kann mich nur in dem Körperstrom treiben lassen, vorbei an der schwarzen Kali, die da in ihrem Tempel sitzt, völlig unbeeindruckt und scheinbar fast fragend, was hier eigentlich passiert….Wir laufen durch die Anlage, ein Inder führt uns umher, obwohl wir hier sehr unwillig sind und eigentlich unser eigenes Ding machen wollen. Klappt aber nicht. Plötzlich schlägt mir stechender Geruch in die Nase und ich muss an mich halten, mich nicht zu übergeben. Wir stehen an der Stelle, an der Tieropfer rituell getötet werden. Mit ihrem Blut wird Kali besänftigt, es werden nur Ziegenböcke getötet. Das Blut stinkt, der Boden ist getränkt damit, überall surren Fliegen. Ich frage mich, wer sich das ausgedacht hat mit den Blutopfern. Und wieso diese Opferungen offenbar überlebt haben. Und was eventuell auf diesem riesigen Subkontinent in den abgelegensten Regionen vielleicht noch alles gemacht wird. Mein Problem ist meine leicht durchgehende Phantasie. Ich knalle im Geiste mit der Peitsche und befehle meinen Gedanken Gehorsam. Diesmal funktioniert es zum Glück mal! Um uns herum meckern die kleinen Ziegenböcke und ich muss schnell raus hier. Dieser Kali-Tempel ist sehr heftig und nach unseren Puja de Luxe exklusiv Erfahrungen ist das hier einfach mal ein extremes Kontrastprogramm. Vielleicht muss das auch so sein. Wo bleibt sonst die Balance?!
Am nächsten Tag geht der Flieger nach Bangkok. Ein kleines Abenteuer bleibt immer wieder der Verkehr. Taxifahrer, die nicht wissen wo sie sind und an jeder Ecke irgend jemanden fragen müssen. Verkehr, der einfach nicht mehr vor und zurück geht, völlig verstopft und man denkt, hier komme ich nie mehr raus. Aber plötzlich löst sich irgendwo irgendwas und mit einem Mal geht es doch wieder weiter. Selbstverständlich mit Dauergehupe und möglichst immer alle auf einmal drauflos! Wenn man den Flieger bekommen möchte, nachdem es sowieso schon fast an einem Wunder grenzte, diese Tickets zu ergattern (wir mussten ja wegen Dengue andauernd umbuchen), wird einem ziemlich heiß auf dem Sitz und allerlei Stress Symptome machen sich hier dann sehr gerne richtig breit. Anyway…irgendwann sitzen wir im Flugzeug und verlassen dieses mystische, anstrengende, dreckige, überbevölkerte und doch so anziehende Land. Erst dachte ich, ich komme nicht wieder. Doch schon bald fing es an zu ziehen und jetzt durchdenke ich bereits die nächste Indienreise 2010. Selbstverständlich mit dem Fokus auf Kultforschung!
Text+Bild: Eva Maria Moog



